AUF MEINEM BLOCK...

... notiere ich und schreibe nieder was mich bewegt. Kein Alter Ego, Schatten oder Ghostwriter. This Shit is mine!

So

01

Aug

2010

Maggi Mee & Milo - Das Rückrat einer Nation.

Die Antwort auf die Frage warum Malaysia funktioniert ist einfach. Es gibt ein Phänomen namens Maggi Mee, und es gibt noch ein weiteres namens Milo.
Maggi Mee ist, wie der Name besagt, ein Produkt der Firma Maggi, Mee die malayische Übersetzung für Nudeln. Maggi Mee ist also vergleichbar mit einer deutschen Tütensuppe mit Nudeleinlage, wobei der Anteil an Nudeln, gegenüber dem der Suppe, merklich dominiert. Für Malaysier ist es aber viel mehr als ein Fertiggericht. Erhätlich in den Geschmacksrichtungen Ayam (Hühnchen), Kari (Curry), Vegetables (Gemüse), Lakhsa (süß-scharf im weitesten Sinne) und Tom Yam (Thai-Version) ist es halal, das heißt nach muslimischen Vorgaben produziert und natürlich ohne Schwein. Es ist ohne Rind, daher auch für die fleischessenden Hindus geeignet. Jeder darf es essen und jeder will es essen. Ein Gericht, das vereint und noch so viel mehr bedeuted. Maggi Mee ist Freiheit, Unabhängigkeit und Realisierbarkeit. Maggi Mee ist, im wahrsten Sinne des Wortes, die klare Projektion der malaysischen Träume auf dem Untergrund einer Suppenschüssel.
Die 20-Cent-Speise ist zudem der Inbegriff der kulinarischen Wunscherfüllung für den kleinen Geldbeutel. Praktisch und schmackhaft, leicht im Gewicht, überall erhältlich und danach lechzend mit weiteren Zutaten individuell getunt zu werden. Im fernen Ausland schwer erhältlich, nimmt Maggi Mee bei Reisen der Malaysier stets einen beträchtlichen Teil des Reisegepäcks in Anspruch. Im Ausland beschäftigte Malaysier lassen sich regelmäßig Kisten aus der Heimat, gefüllt bis zum Rand mit dem "malaysischen Gold", schicken. Das geht soweit, dass Maggi, längst die Sucht nach Sicherheit der Malaysier begriffen, stolz Gewinnspiele auf die Rückseiten der Verpackungen druckt, bei denen als Gewinne Reisekoffer und Taschen, sowie Vorratspackungen ihrer Produkte locken. Ich schenke mir abschließende Worte und lasse dies einen unserer malaysischen Freunde übernehmen, der mir die kürzeste Antwort auf meine Frage nach dem Maggi-Mee-Phänomen während meiner Recherchen gegeben hat. Pius: "Klar, es ist ungesund, aber es schmeckt halt einfach sooo gut!"
Was Maggi Mee beim Essen, ist Milo beim Trinken. Auf den ersten Blick ein simpler Schokotrunk aus dem Hause Nestlé. Mehr nicht. Aber wer sich längere Zeit in Malaysia aufhält, wird sich der Omnipräsenz dieses Kulturgutes schwer entziehen können. Es prangt auf Plakaten, lacht dich von jeder Theke, jedem Kühlschrank an, wird bei den globalen Fastfoodketten geführt und ist in der Hand von Jung und Alt, unabhängig von Geschlecht und Ethnizität, zu sehen. Oft kopiert und doch nie erreicht, ist es das Lockangebot der führenden Supermarktketten bei ihren "Promosi"-Aktionen, die Tausende und weit mehr landesweit in ihre Läden strömen lässt, um sich mit einem Vorrat bis nach Weihnachten 2050 einzudecken. Fertig gemischt oder noch besser, weil billiger und praktischer, im Metallkübel oder der leichteren Plastikfamilienpackung, zum selbst zu zubereiten. Regelmäßig werden bei diesen "Panikkäufen" die Einkaufswägen einem Stabilitättest unterzogen. Milo horten, als ob der 3. Weltkrieg bevor stünde. Auch wenn die Liebe zu Milo in vielen anderen asiatischen Ländern zu beobachten ist, das Epizentrum des Wahns liegt in Malaysia. Das ist offensichtlich. Es schmeckt in den Restaurants als Heißgetränk und, hitzeverträglicher, als Milo Ais, mit Eiswürfeln, gerne auch im 1-Liter-Krug. Nestlé gefällt es mit den kraftspendenden Eigenschaften des Getränks zu werben, wobei die Firma versucht den Sportler in jedem Einzelnen Konsumenten zu wecken. Der Volkslksmund spricht dem Getränk Abhilfe bei Krankheit zu, was stark an die, in den 70er Jahren in den USA, verbreitete Meinung, Coca Cola sei ein Allheilmittel, erinnert. Aber Milo passt und schmeckt einfach immer und überall und vor allem jedem.
Des Malaysiers Bockwurst und Bier haben mich sehr beeindruckt und mir, ehrlich gesagt, auch richtig gut geschmeckt.

 

Was ist Maggi Mee und Milo genau? (Wikipedia/eng.)

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Mi

30

Jun

2010

Singap00r Flashs.

16.06.10 - 17:44 - Ecke Claymore Hill / Scotts Road.
Wir rauchen eine selbstgedrehte "Drum"-Zigarette im McCafe. Jeder Tisch ist belegt und von jedem steigen Rauchwolken auf. Asiaten, Araber und Europäer laufen hinter meinem Rücken und vor den Schaufenstern mit den riesigen "Sale Up to 50%"-Aufklebern des "Mango"-Stores vorbei. 3 Meter vor mir die stark befahrene Scotts Road, links neben mir eine, wie ein Toilettenhäuschen aussehende, Starbuck's -Filiale. "24 HOURS", steht auf dem kleinen Schild, das gut sichtbar unter dem Firmenlogo plaziert ist. Der angenehm kühle Wind bringt die riesigen Palmen, Urwaldgewächse, die den Straßenrand säumen und aussehen als wären sie einer Doku auf Discoverychannel entwachsen, zum Schwingen. Kaffeeduft zieht neben Straßenlärm an meiner Nase vorbei. Zufällig bemerke ich, dass ich plötzlich eine Wifi-Verbindung habe, kein Passwortschutz. Keine neuen Emails. Chihi liest im Lonely Planet. Ich mache mir Gedanken wie die Welt der Zukunft aussehen mag. Vielleicht so wie hier. Ich frage mich ob ich in Sydney, New York, San Francisco oder Singapur bin. Ich sehe wieder nach links zu den riesigen Urwaldgewächsen um mich zu vergewissern. Die Energie um mich herum scheint grenzenlos, vielleicht hervorgerufen durch die unzähligen Mobiltelefone auf den Tischen um uns herum. Ich zähle mehr Handys als Menschen. Ich rauche meine Zigarette fertig. In Singapur habe ich beschlossen, aufgrund des hohen Tabakpreises, die Zigaretten wirklich bis zum Ende zu rauchen. Ich schlage Chihi vor uns ein neues Plätzchen, neue Eindrüchke zu suchen.

17.06.10 - 17:55 - Maxwell Food Center.
Gerade habe ich meine Szechuan Beef Noodle Soup verpiesen. Fantastsich ausbalanciert; eine starke Rindfleischbrühe, angereichert mit dunkler Sojasoße, gehackten, gerösteten Zwiebeln, Frühlingszwiebeln und mit in Chilliöl angebratenen Nudeln. Reichlich geschmortes und mit der Schere vom Ganzen geschnittenes Rindfleisch obendrauf. Große Küche, kleiner Preis. Der Foodcourt, an dessen Außenseite wir sitzen, liegt in Chinatown gegenüber der Singapur City Gallery. Die Ausstellung dort ist modern und zeigt die Stadtplanung für die nächsten Jahrzehnte. Die Visionen sind selbstbewußt und es fällt mir schwer mich zu entspannen. Zuviele Gedanken, die diese Satdt in mir aufbegehren lässt. Zuviele Ideen. Mein Kopf ist voll wie mein Magen. Um uns herum kommen immer mehr Leute, wahrscheinlich gerade von der Arbeit, um ihre wenige freie Zeit mit einem Abendessen einzuleiten. Singapur plant an allen Ecken und Enden des Landes neue "Recreational"-Parks, Anlagen und Gebiete, in denen sich die Menschen zu erholen haben, um wieder fit für die Arbeitswelt zu sein. Singapur scheint besessen von der Idee mehr und mehr dieser "wiederherstellenden" Örtlichkeiten produzieren zu müssen, immer natürlich mit einer genauen Angabe wie sich dann dort genau erholt werden soll. Auch Spaß wird vorgeschrieben. Ich will solche Flächen nie brauchen. Die schwarze Katze auf der anderen Bürgersteigseite wohl auch nicht. Vielleicht sollte ich sie mal fragen, wenn wir aufgestanden sind.

23.06.10 - 15:33 - Holland Park.
Ich sitze am Fenster im 9. Stock eines teuren Appartementsblocks, schaue dem Regen zu, wie in vor mir die Tiefe fällt. Ich habe die Zeit mir Gedanken über die Welt und das Leben darin zu machen und bin dankbar dafür. Dem durchchnittlichen Singapurer bleibt diese Zeit wohl kaum. Es ist erschreckend welchen Preis die Menschen für "sogenannten" Luxus bezahlen und scheinbar auch bezahlen wollen. Alles hat seinen Preis, aber bitte nicht um jeden. Es ist ein besonderes Leben, dass wir gerade führen. Ein Leben im Luxus, ohne viel dafür bezahlen zu müssen. Ich trinke den Kaffee nach dem Essen, der mir auf Bestellung von der Hausangestellten gebracht wurde. Unser Zimmer wird täglich geputzt, unser Badezimmer selbstverständlich auch. Es wird für uns gekocht. Wir haben zwar das Geld dafür nicht, aber wir kennen Menschen, die es haben.
Singapur selbst ist eine sehr interessante Stadt, vielleicht mehr. Einen Eindruck über die Zukunft haben wir gestern bekommen, als wir uns das Marina Bay Sands angeschaut haben. Ein sogenanntes "Integrated Resort", das Singapur scheut beim Namen zu nennen: Casino. Aber es ist nicht nur das. Der Komplex beherbergt Luxushotels, Luxusboutiquen, Luxusrestaurants und zu allem erdenklichen Überfluß auch noch das größte Outdoor-Schwimmbad auf dieser Höhe der Welt. Planschen auf dem Dach 200m über dem Erdboden. Schöne neue Welt. In Indien werden wir uns sicher des Öfteren an diesen Traum von der heilen Welt erinnern. Wahrscheinlich schon viel früher. Wie verschieden und doch gleich ist unsere Welt.

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So

20

Jun

2010

Live Perhentian!

Stell Dir vor Du fährst mit einem Schnellboot auf einen grünen Punkt zu. Als Du Dich näherst, siehst Du eine Insel, dessen grüne Farbe von ihrer Bewaldung kommt. Du steigst aus dem Boot, läufst über einen Steg gerade auf den weißen Sandstrand einer Bucht zu. Kleine Gästehäuser und wenige Cafes liegen auf einem schmalen Streifen zwischen dem bergigen, saftig grünen Hinterland und dem kleinen Strand. Das Wasser ist so türkis, wie Du es nur von den Pools der Superreichen aus RTL-Reportagen kennst. Du läufst zum Ende des Strandes, steigst über einige, vom Meerwasser geglättete Felsen und erreichst schließlich Dein ganz eigenes Holzhäuschen. Zur Meeresseite steht es auf Stelzen, um seine, Deine Terasse stützen zu können. Die Terasse ist wie das gesamte Haus aus Holz, überdacht und bietet Dir den atemraubendsten Meeresblick Deines Lebens. Du hörst das Windspiel aus Korallen, dass ein vorheriger Bewohner an der Decke der Terasse angebracht hat und freust dich über die Melodie, die es zusammen mit dem Meeresrauschen komponiert. Du denkst Dir, dass Du nicht sterben willst, weil es im Paradies auch nicht schöner sein kann. Und dann denkst Du plötzlich nicht mehr und blickst nur noch auf die Felsen, wie sie von der Gischt umspült werden und riechst die Einfachheit des Lebens. Du riechst Wunschlosigkeit.
Du überquerst auf dem Weg zum Abendessen wieder den Strand und läufst im Schatten der Palmen. Es duftet nach Barbeque. Vor jedem Gästehaus wird ein Grill betrieben. Zur Auswahl stehen verschiedene Fleisch- und Fischsorten, frische Meeresfrüchte. Bei Kerzenschein lässt Du Dir den fangfrischen Baracuda schmecken, bevor Du Dich wieder über den kleinen Strand in der Bucht nach Hause bewegst. Einige Pärchen liegen verschmust im Sand. Kaum eine Menschenseele scheint es auf diese Insel verschlagen zu haben. Fledermäuse fliegen durch die Bäume. Über Dir nur ein Sternenmeer, dass mit dem Horizont kollidiert. Erschöpft vom vielen guten Essen fällst Du in Dein Bett. Das Meeresrauschen wiegt Dich in einen tiefen Schlaf.
Die Sonne scheint in Dein Zimmer und die Strahlen laden Dich zu einem neuen Tag auf der Trauminsel ein. Du spazierst auf den Strand und fährst mit einem kleinen Boot auf's Meer hinaus. Du läßt Dich mit Schnorchel und Flossen ins Wasser fallen. Es ist warm und Deine Sicht ist unglaublich weit. Du schwimmst mit kleinen Haien, die Dich in ihrem Zuhause willkommen heißen. Du nimmst ein Wettrennen mit einer Riesenschildkröte auf und musst Dich nach einigen Minuten geschlagen geben. Du fütterst Meeresbewohner, die so bunt sind als wären sie direkt einem Disney-Film entsprungen, schwimmst über Korallen hinweg und durch Fischschwärme hindurch.
Von Deinem kleinen Holzhäuschen führt ein Pfad durch den Dschungel. Reptilien mit den Ausmaßen kleiner Krokodile kreuzen Deinen Weg, Schmetterlinge fliegen Dir um Deinen Kopf. Nach wenigen Minuten erreichst Du einen verlassenen Strand. Du gehst ins Wasser, genießt die Einsamkeit und lässt Dich einfach auf dem Rücken im Wasser treiben.
Du merkst das alles so einfach sein kann.


Stell Dir vor... wir waren an diesem Ort - Coral Bay, Pulau Perhentian Kecil, Malaysia.

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Mi

19

Mai

2010

Welcome to Malaysia! Von Malaysiern und Malaysierinnen.

PLEASE TELL ME IF I DON'T SMILE

Im Moment könnte ich über Dutzende Themen schreiben. Das spektakuläre Unspektakuläre dieses Landes fasziniert uns und beruhigt mich von innen heraus mit einer tiefen Ausgeglichenheit und Freude. Wir leben jetzt fast 6 Wochen in Malaysia und mußten, dank Couchsurfing und der Gastfreundlichkeit der Malaysier, lediglich 4 Übernachtungen davon bezahlen. Wir sind gerne hier und gerne gesehen in Malaysia. Einem Land, dem es trotz vieler Bemühungen und finanzieller Aufwendungen noch nicht gelungen ist, den internationalenTourismus als eine eben bedeutsame Einnahmequelle, wie beispielsweise in Thailand, zu erschließen. Dabei hat das Land alles was ich zum Glücklichsein brauche. Schönes Wetter, Strände, Berge, Architektur und Geschichte reichen mir nicht. Malaysia hat all das zwar zu bieten, aber darüber, darunter, daneben und überhaupt überall verzaubert mich dieses Land mit seinem Essen und noch beeindruckender - wenngleich fast unmöglich - mit seinen Menschen. Ich habe mich in dieses Land vorrangig wegen seiner Bevölkerung verliebt. Einer durchaus problematischen Mischung von Menschen, die sich aus drei, mehr oder wenig, großen Mehr- oder Minderheiten zusammengesetzt. Den Hauptteil bilden dabei die Malayen, gefolgt von den Chinesischstämmigen und den Indern. Daneben finden sich unzählige kleine Minoritäten, die teils Malaysia, teils andere asiatische Länder als ihre Ursprungsheimat ansehen. Ein Melting Pot par excellence. Alle haben ihre eigenen Religionen, Traditionen und Hintergründe. Aber Malaysia ist ein Spannungsfeld in dem durch jahrhundertelange Erfangung pragmatisch agiert und respektvoll miteinander umgegangen wird.
Geschichten über Geschichten kann ich bereits erzählen um eindrucksvoll die Freundlichkeit, Aufgeschlossenheit, Hilfsbereitschaft und das Interesse der Malaysier zu schildern. Jeden Tag kommt mindestens eine neue dazu. Ihr Inhalt, die Situation variiert, die Konklusion dabei ist immer dieselbe. Die Malaysier sind der Hammer. Als Soziologe bin ich hier voll in meinem Element und erforsche Tag ein Tag aus die Umgangsformen, das Verhalten, die gesellschaftliche Zusammensetzung, ja alles Erdenkliche, nur um die gewonnenen Hypothesen und Ergebnisse zu einer möglichen Antwort auf die große Frage "Warum sind die meisten hier so wunderbare Menschen?" zu schmieden. Theorien habe ich viele, zu deren Ausführungen bräuchte ich jedoch mindestens eine Stunde Redezeit. Lieber möchte ich einige "daily life"-Begebenheiten erzählen, um verdeutlichen warum es uns in diesem Land so gut gefällt. Eins möchte ich zuvor noch erwähnen. Der hohe Bildungsstand in Malaysia beeindruckt mich täglich und steht auf Augenhöhe mit dem der führenden Nationen Asiens. Die Menschen sind einfach reflektiert. Mit dem Unterschied, dass hier tatsächlich über den Tellerrand geschaut wird, was mir weder in meinem geliebten Japan, noch Südkorea, noch anderswo so und in diesem Maße aufgefallen wäre. Die Allgemeinbildung ist überdurchschnittlich, das vielseitige Interesse der Menschen ist allgegenwärtig. Die Neugier auf Neues scheint abgesichert durch ein Fundament der Furchtlosigkeit vor dem Fremden. Die Wurzel dafür liegt offensichtlich in der Verschiedenheit der Bevölkerung und der Notwendigkeit damit umzugehen. Wir fühlen uns angenommen als Menschen, nicht als bloße Touristen. Doch jetzt zu den eigenlichen Geschichten.
Der Supermarkt, ein von uns generell favorisierter Ort um die Kultur der Einheimischen kennen zu lernen, ist ein Hauptschauplatz zahlreicher netter Begegnungen. Wir sind gerade dabei Manggis oder Mangosteen (meine neue Lieblingsfrucht und "the Queen of fruits" liebevoll in Malaysia genannt) in unsere Plastiktütte zu packen, als sich ein älterer Herr zu uns gesellt, ebenfalls die Früchte prüft, dann jedoch uns in die Hand drückt, anstatt sie selbst einzupacken. Dazu erklärt er uns fachmännisch woran die Frischezustand der Frucht zu erkennen sei: am Stengel. Als unsere Tüte ausreichend gefüllt ist, bedanken wir uns verabschieden uns höflich.
Wir stehen an der Kasse, suchen unseren zuvor abgestellten vollen Einkaufskorb. Eine Kassiererin verschwindet gerade und wir versuchen ihr hinterher zu schreien, werden aber nicht gehört von ihr. Ein unbeteiligter Kunde in einer anderen Schlange beobachtet dies und brüllt die nun schon sehr weit entfernte Kassiererin auf malayisch zurück. Eine Selbstverständlichkeit. Spektkulär unspektakulär. Aufmerksam und hilfsbereit.
Beim Einsteigen in den Bus wird weder gekämpft wie in China, geprügelt und gebissen, wie in Vietnam, oder sich wie aus einer Mischung aus Armee und Gänsemarsch mit einem Meter Abstand zum Nächsten, wie in den USA, angestellt. Es wird sich einfach respektvoll verhalten, den Älteren geholfen, ohne dabei überkorrekt zu sein. So wunderbar normal.
Es ist die Regel, dass wir, wenn wir im Bus den Busfahrer darum gebeten haben uns bei der gewünschten Haltestelle zu benachrichtigen um aussteigen zu können, mindestens von 3 anderen Fahrgästen ebenfalls freundlich unterstützt werden. Oder andere Fahrgäste sehen unsere Planlosigkeit, fragen uns nach unserem Ziel und stehen daraufhin auf um den gesamen Bus zu durchqueren und den Busfahrer darüber zu informieren.
Gestern nahm uns ein Fahrer eines öffentlichen Busses gratis zu einer anderen Haltestelle mit um unsere Wartezeit zu verringern. Chihi und er kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass die beiden in der gleichen japanischen Stadt gewohnt hatten. Daraufhin schaltete er sein Handy ein um Chihi seinen japanischen Lieblngssong zu zeigen. Um die Lautstärke zu erhöhen hielt er sein Mobiltelefon einfach an das Busmikrofon und der gesamte Bus hörte mit. Chihi sang dazu. Nachdem er uns hatte aussteigen lassen, schloß er die Türen und passierte hupend und winkend. Alltag.
Generell scheint die Hilfsbereitschaft der malaysischen Menschen keine Grenzen zu kennen. Das beste daran ist die Hilfsbereitschaft untereinander. Anfänglich bezog ich ihr zuvorkommendes Verhalten auf unseren Touristenstatus. Fehlanzeige. Die Menschen helfen sich grundsätzlich. All das geschieht aber nicht auf einer abgelegenen Südsee Insel oder in einem afrikanischen Dritte-Weltland, sondern in Malaysia, einem fortschrittlichen, (relativ) modernen Land unserer Erde.
Als wir in Ipoh, der Hauptstsadt Peraks, gerdade ein Foto vom kolonialen Bahnhof machten, schlenderte ein Mann vorbei und bot uns unaufgefordert an ein Foto mit uns beiden zu machen. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er ehrenamtlicher Mtarbeiter der ortsansässigen Gesellschaft für Tourismus ist. Wir fuhren mit seinem Auto durch halb Ipoh, tranken mit einheimischen Indern am Straßenrand scheußlichen indischen Yoghurt und dann kaltes, besser schmeckendes Sprite, bei seiner Familie zu Hause. Wir fuhren gemeinsam zum bekanntesten Tempel Ipohs und bestiegen den angrenzenden Berg um die fabelhafte Aussicht zu genießen, die er uns stolz erklärte. Wir diskutierten über Politik und die Gesellschaft und Gott und die Welt. Anschließend fuhren wir zu einem neu erschlossenen See und machten eine Gratisbootsfahrt darauf, da er die Angestellten kannte, wie scheinbar ganz Ipoh. Bevor er uns heimfuhr besuchten wir eine biologische Pomelofarm und unterhielten uns mit der Besitzerin. All das war nicht genug und wir wurden zum ersten "Ipoh Heritage Walk", einer Testveranstaltung für das zukünftige Tourismusprogramm, am nächsten Morgen eingeladen. Dort waren wir unter 100 Leuten, die sich aus Lehrern, Professoren, interessierten Einheimischen und Angehörigen und Vertretern sämtlicher Torismusvereine zusammensetzten, die einzigen 2 Touristen. Wir waren einfach dabei. Auch beim anschließenden Lunchbuffet, selbstverständlich kostenlos, und beim Fotoshooting für die Zeitungen. Ich mußte in meinem völlig verschwitzten T-Shirt, neben dem Tourismuspräsidenten auch noch den Werbebanner halten. Meine Position war dabei genau die in der Mitte. Selbstverständlich gaben wir gerne noch ein Interview der größten malaysischen englischsprachigen Tageszeitung. Um unsere Bustickets für den nächsten Tag zu kaufen, mußten wir noch zum Bahnhof. Dass ein netter Yale-Absolvent uns nicht nur dorthin chauffierte, sondern auch noch im Auto auf uns wartete um uns anschließend vor unserer Haustür abzulierfern brauche ich wohl kaum noch erwähnen. Hammer. Danke nochmal.
Noch eine. Wir standen im Zentrum Kuala Lumpurs an einer Starßenkreuzung, orientierungslos auf unsere Straßenkarte starrend, als wir von einem vorbeieilenden Anzugträger mittleren Alters angesprochen wurden. Er fragte uns, ob er uns helfen könnte. Erst schilderte er uns den von uns gesuchten Weg, dann gab er uns seine Email-Adresse mit dem Hnweis ihn jederzeit kontaktieren zu können, falls wir ein Problem hätten. Er war offensichtlich in großer Eile, was ihn nicht daran hinderte uns eine weitere Telefonnummer eines befreundeten Taxifahrers zu geben, nur für den Fall, dass wir einen vertrauenwürdigen Chauffeur benötigten. Das ganze hat maximal 2 Minuten gedauert. Eine weitere ganz normale Begegnung?
Alles so spektakulär. Vielleicht liegt es auch an uns. Wir sind cool. Aber Ihr macht es uns auch leicht cool und ausgeglichen Euch gegenüber zu treten. Wir spiegeln einfach Eure Art. Danke!

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So

25

Apr

2010

Vietnam - Ein Absch(l)ussbericht

Wunsch & Wirklichkeit.

Warum sind die Vietnamesen so wie sie sind? Ich weis es nicht. Aber ich weis, dass es nicht immer leicht war für uns - euphemistisch ausgedrückt. Von Anfang an hatten wir Probleme mit den meisten Vietnamesen, die uns begegneten, und sie offensichtlich mit uns. Wir lassen uns ungerne bescheißen. Fast ausnahmslos wurde genau das aber mit uns versucht. Ich schreibe das auf meinen Block um den Frust und die Aggression, die ich in mir trage, endlich loszuwerden. Seit Wochen mache ich mir Gedanken, ob es richtig ist, diese Erfahrungen auf unserer Seite zu veröffentlichen, oder nicht. Ich bin zu dem Schluß gekommen: "Ja, es ist richtig. Sebastian, lass deine Wut raus" und "Wer es nicht lesen will, muss es ja nicht lesen", "Es ist meine Meinung, die auf unseren Erfahrungen beruht". Ich will mich nicht rechtfertigen müssen und tue gerade das schon wieder.
Zuviele schlechte Eindrücke in zu kurzer Zeit, deren Ausnahmen vorhanden, aber äußerst selten gewesen sind. Besonders deutlich wird es, wenn man das Verhalten der Vietnamesen im Vergleich zu ihren Nachbarn betrachtet. Keines der angrenzenden Länder hat respektlosere Menschen, verlogenere und unehrlichere Menschen. Starker Tobak; hört sich hart an. Ist es auch und soll es auch. Ein Freund von mir hat kürzlich im Internet gepostet: "Hätt' Anne Will eine Brille, ich tät' sie ihr von der Nase hauen wollen." Ich würde so eine Brille auch gerne den Vietnamesen von der Nase hauen.
"Wenn ihr, Vietnamesen, uns in eurem Land nicht haben wollt, dann sagt es doch", habe ich mir immer wieder gedacht. Aber sie wollten uns, unser Geld, und nur unser Geld. Hatten wir bezahlt, fühlten wir uns nicht mehr geduldet, zahlten wir nicht, wurden wir beleidigt. Uns wurde auf der Straße mehrmals ein "Fuck you!" hinterhergebrüllt, weil wir uns nicht bescheißen lassen wollten, wie die anderen Touristen. Fremde Menschen zeigten mit dem Finger auf uns und lachten uns aus. Zweimal wurde versucht uns auf offener Straße zu bestehlen. Der dreiste Dieb öffnete meinen Rucksack und als ich ihn stellte, versuchte er zu türmen. Wir rannten hinterher und schossen ein Foto. Als ich in einem touristischen Souvenirladen darum bat die Polizei zu verständigen, konnte plötzlich niemand mehr englisch. Der Dieb entkam, nachdem er uns noch wild beschimpft und Chihi mit Sonnenblumenkernen bespuckt hatte. Die Polizei kann generell nicht verständigt werden, weil die Polizei kein englisch spricht und sowieso lieber Schmiergeld einschiebt und sich am Straßenrand mit Teetrinken vergnügt. Wie haben wir uns allein gelassen gefühlt! Den meisten Vietnamesen scheint das auch egal zu sein, was, wie und warum so ist und um sie herum geschieht. Ob Diebstahl, Polizei, Partei, Gerechtigkeit, man schert sich einen feuchten Kericht darüber auch nur einmal ansatzweise darüber nachzudenken, geschweige diese Dinge in Frage zu stellen in diesem Land. Einem Land in dem den meisten alles, außer Geldmachen, Geldhaben und Geld zur Schaustellen, scheißegal ist. Das Land der Poser versteckt seine Intellektuellen oder sie verstecken sich selbst. Ungebildet, unreflektiert und ungeniert. So schlimm, dass es mir nicht mehr leid tut. Es tut mir auch nicht leid zu wissen wo dieses Land in 10 Jahren steht. Es wird genau da stehen, wo es heute steht und schon vor zehn Jahren gestanden hat, als ich zum ersten mal einen Monat hier verbracht habe. Der Unterschied von heute zu damals? Die Menschen haben sich offensichtlch noch mehr dem Geld verschrieben, der Tourismus ist noch mehr geworden, genau wie der Verkehr und sonst? Alles beim Alten.
Kommunismus, Sozialismus, Buddhismus. Das ich nicht lache. Mehr Fehlinterpretation scheint mir unmöglich.Wenigstens wissen wir jetzt sich man sich fühlt, wenn einem verweigert wird den regulären Preis zu bezahlen und es vorgezogen wird lieber gar kein Geschäft zu machen. Wer sich nicht abzocken lassen will ist der Depp und wer sich abzocken lässt sowieso.
In Richtung Süden wurde es besser, fernab vom Tourismus teilweise sogar schön. Wir beide möchte unsere "vietnamesische" Erfahrung nicht missen, denn wer den Schatten nicht kennt, weis die Sonne nicht zu schätzen.
Wir sind jetzt in Malaysia und von diesem "Traumland" aus scheint mir meine Erinnerung an Vietnam noch häßlicher.
Ich spar mir die vielen anderen Geschichten von Haß, Neid, Korruption, Rassismus und die Bahn für meinen nächsten Block freizuräumen.
... und der wird soo anders.

Und wenn das populitisch war, dann freut's mich. Ihr mich auch!

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Fr

02

Apr

2010

Vom Backpacking 2.0 Plus Phänomen zu unserem "On-the-Road-Leben".

Angeregt durch ein Facebook-Posting "Has backpacking changed?" (Lonely Planet Blogs auf Facebook), initiiert durch den internationalen Reiseführerverlag Lonely Planet, muß ich mich dieser Frage hier auf meinem Block annehmen.
Die Frage an sich ist eigentlich überflüssig, denn wie alles hat sich natürlich auch das Rucksackreisen im Laufe der letzten Jahre verändert. Vielmehr stellt sich mir die Frage "Was ist Backpacking heute?", genauer "Was kann Backpacking für viele heute sein und werden?".
Es ist eine sehr weitreichende Frage und ich möchte ungern eine Bücherserie darüber publizieren. Dennoch sind mir im Laufe der letzten 7 Monate soviele Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten zu anderen Rucksackreisenden aufgefalllen, dass ich denke, es ist an der Zeit jene zu thematisieren. Ich werde versuchen ohne rückblickende, historische Vergleiche, jammernde "früher-war-alles-besser"-Sentimentalitäten und apokalyptische Zukunftsprognosen, die Spezifika des Backpacking 2.0 Plus heute und deren positive Konsequenzen, im Besonderen für uns, zu skizzieren.
Was zeichnet also diese Spezie Reisender aus und warum?
Über dieses Phänomen habe ich mich - mit vielen Gleichgesinnten, unterwegs - ausgetauscht und mußte oft erschreckt feststellen, dass unsere, von Familie und Freunden in der Heimat so oft bewunderte, Individualität, das gewisse "Freaksein" und unser Wagemut eher der Partizipation an einer Massenbewegung gleicht. Das Aussteigen aus der eigenen Gesellschaft ist nur ein Einsteigen in eine neue, globaler funktionierende, aber nicht weniger organisierte Struktur.
Grundlegende Voraussetzungen und Gemeinsamkeiten organsieren und strukturieren das Leben unterwegs stärker denn je. Wir haben Zeit, und haben wir diese nicht, dann nehmen wir sie uns. Für viele ist es ein Leichtes den Job ein Jahr ruhen zu lassen oder gleich zu kündigen, oder noch viel besser, wie in meinem Falle, erst gar nicht anzufangen. Eine verbindliche oder gesichterte Lebensplanung gibt es kaum eine mehr. Das vereinfacht. Wo keine Felle sind, können auch keine davonschwimmen.
Wir haben Geld. Wir kommen aus dem "reichen" Westen und reisen in billige Länder, vorzugsweise mit Billigfliegern, um dort billig zu leben. Der Markt macht die Preise, und dieser ist riesig geworden. Der abgedroschene Vergleich "wie Pilze aus dem Boden schießen" paßt leider voll und ganz auf die Hostel-, Guesthouse- und Hotellandschaft in den bevorzugten Ländern. Der Reisende als Kunde profitiert. Die Auswahl ist unerschöpflich, die Kosten niedrig.
Hinzu kommt die Verfügbarkeit aller Annehmlichkeiten. Wer eine gewissse, teils nur minimale Flexibilität bei der Verwendung von täglichen Konsumgütern besitzt, dem wird es an kaum etwas mangeln. Ob "Ritterport" und das gute bayerische Bier oder Spaghetti Bolognese; ob "Nivea-Creme" oder "Colgate-Zahnpasta", Bücher zum Tausch in der eigenen Sprache (sofern man nicht aus aus Island kommt ;) und weis der Kuckuck noch was. Die internationalen Marken von zu Hause sind nicht umsonst international.
Vielleicht das Beispiel hierfür ist die Khaosan Road in Bangkok. Alles (und teilweise noch viel mehr) was der Rucksackreisende auf seiner Rucksackreise benötigt ist auf Lager. Ich habe mir einen Internationalen Studentenausweis - gültig bis Ende 2010 - für 2€ austellen lassen. Sieht aus wie mein alter :) Außerdem bin ich jetzt Mitglied in der Internationalen Vereinigung... das würde zu weit führen. Schuhe, Taschen, Reiseequipment aller Art... ach was fang ich jetzt an aufzuzählen; alles wartet zu Spottpreisen auf die hungrigen Massen, die 24/7 zum Mekka der Verfügbarkeit pilgern! Wer noch nicht hat was alle haben, stockt auf. Reiseuniformen und Reisefrisuren, die die Individualität hervorheben, sowie das neueste iTunes-Mobilar und Reiseführer. Im Klartext: weite Baumwollhosen, Muskelshirts, Rastas, endlos mp3s, Filme und Lonely Planet Guidebooks.
Für mich aber die interessanteste, und sicher nicht unwesentlichste, Gemeinsamkeit des 2.0 Plus Backpackers ist auf das Internet zurückzuführen. Das fängt damit an, dass beinahe ein jeder ein Netbook (vorzugsweise von Samsung oder Asus) mit sich rumschleppt. Oft durch ein iPhone erweitert; zumindest irgendein mobiles Telefon wartet auf seinen Benutzer. Ausnahmen bestätigen die Regel, das weis ein jeder, und zu dieser Subgruppe der Exoten zählen auch wir. Ein bisschen Freiheit in der Freiheit muß erlaubt sein; im Notfall lässt sich jede Telefonnummer auf der Welt ja über Skype anrufen. Verbundensein mit "daheim" (welch diffuser Begriff) und dem Rest der Welt, in dem man sich gerade nicht befindet, ist aufgrund der Wifi-Verfügbarkeit in immer mehr Hostels und Cafes sowieso kein Problem mehr. Dank Skype, Email und natürlich Facebook erreichen wir und werden erreichtt. Facebook fehlt, wenn ich auf die Rechner der anderen Hostelbewohner schiele, in fast keinem Reisegepäck. Wir bloggen, chatten, posten, up- & downloaden und basteln an unseren Homepages. Wir kommuniziern nicht nur mit "daheim". Wir spielen im doppelten Sinne global mit. Hier und dort. Wo immer das auch sein mag.
Schon einen Platz zum Schlafen? "Couchsurfing" oder "Hospitality Club", zwei internationale Online-Services, dessen Mitglieder die Website nutzen, um eine kostenlose Unterkunft auf Reisen zu finden, selbst eine Unterkunft oder auch anderes anzubieten, wie beispielsweise einem Reisenden die Stadt zu zeigen, stehen bereit. Wem das nicht zusagt, kann zumindest einen Blick auf "Hostelworld" und Konsorten werfen. Ob zur reinen Information, oder zur tatsächlichen Inanspruchnahme des Internetdienstes für Unterkünfte weltweit - das Bett liegt nur einen Mausklick weit entfernt. Wir suchen und buchen, recherchieren und transferieren. Kreditkarten hat ein jeder, und wer nicht, reist woanders als wir, hat einen Geldkoffer statt einen Rucksack oder nicht mehr alle Tassen im Backgepacktem. Plastic Cash Rules Everything Around Us? Jedenfalls im Netz und sogar in immer mehr Drittweltländern. Der schnöde Mammon schnarcht währendessen auf den beheimateten Konten mit vorzugsweise hohem Zinssatz und wird bei Verlangen nach Barem aus einem an jeder Ecke stationiertem Geldautomaten gezogen. Scheiße, wie schnell hat sich alles verändert!
Und was soll der ganze Irrsinn? Er erlaubt uns in gewisser Weise "unterwegs" zu leben und den Alltag neu zu definieren - für sehr lange Zeit. Wunderbar!

ps. ja, der Text ist keineswegs eine streng wissenschaftliche Publikation; ja, natürlich bin ich mir über die einhergehenden, negativen Konsequenzen dieses Wandels bewußt (deswegen habe ich ja auch einleitend erwähnt die positiven Konsequenzen zu beschreiben!); ja, meine Argumente sind nicht vollständig, weil die Thematik a priori keine Vollständigkeit erlaubt und ich mich dieser auch nicht verpflichtet fühle - nimm's als Exzerpt; ja, natürlich darfst auch Du gerne Deine Sichtweise als Kommentar hinzufügen. Danke.

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Sa

20

Mär

2010

BKK - Ein Liebesbrief an die Verfügbarkeit.

Wie sehr hast Du mich beeindruckt, mir gut getan und wirst das sicher wieder tun.
Ich vermisse Deine Energie, Deine Menschen und Dein Essen.
Ich vermisse Deine Traditionen, Deine Moderne und Deinen Humor.
Ich vermisse Deinen Wandel, Deine Möglichkeiten und Deine Gefahren.

Wie sehr hast Du mich beeindruckt, mir gut getan und wirst das sicher wieder tun.
Ich vermisse Deine Gebäude, Deine Straßen und Deine Brücken.
Ich vermisse Deine Busse, Deine Taxis und nicht Deine Tuk-Tuks.
Ich vermisse Deinen Verkehr, Deinen Lärm und Deine Lichter.

Wie sehr hast Du mich beeindruckt, mir gut getan und wirst das sicher wieder tun.
Ich vermisse Deine Seven-Elevens, Deine Märkte und Deine Preise.
Ich vermisse Deine Ruhelosigkeit, Deine Toleranz und Deine Weltoffenheit.
Ich vermisse Deine Unterschiede, Deine Flexibilität und Deine Standhaftigkeit.

Wie sehr hast Du mich beeindruckt, mir gut getan und wirst es sicher wieder tun.
Ich vermisse Deine Unzuverlässigkeit, Deine Verrücktheit und Deine Unerklärbarkeit.
Ich vermisse Deine Widersprüche, Deine Spannung und Deine Gelassenheit.
Ich vermisse Deine Liebe, Deine Gleichgültikeit und Deine Abneigung.

Wie sehr vermisse ich Dich BKK.

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Do

25

Feb

2010

Khmerunser.

Khmer unser, die Ihr seid in Kambodscha,
geliebt werde Euer Land.
Eure Zukunft komme.
Euer Frieden geschehe,
wie in Kambodscha also auch in der Welt.
Unsere tägliche Freude an Euch und Eurem wunderbaren Land gebt uns heute.
Und vergebt uns unsere vergangene Ignoranz und unsere Schuld
bei all den Greueltaten der Khmer Rouge nur zugesehen zu haben;
denn wir waren lange die Schuldigen.
Und führt uns nicht nur in der Wiedergutmachung,
sondern erlöst uns von unserem schlechten Gewissen.
Denn Euch ist die Zukunft mit Eurer Kraft und Herrlichkeit in Ewigkeit.

 

     Akhun.

In Erinnerung an all die Millionen die unter der Schreckensherrschaft der Khmer Rouge (Roten Khmer) grausam ihr Leben gelassen haben. Ruhet in Frieden.

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Di

19

Jan

2010

Cambodia - Ein allererster Eindruck

Mein erster Eindruck ist vielschichtig. Die Leute sind sehr freundlich, solange sie Dir nichts verkaufen wollen. Leider wollen gerade hier in Siem Reap viele genau das.
Egal ob sie Dir einen Tuc-Tuc-Dienst aufschwatzen wollen, eine Massage oder irgendwelche Souveniers. Viele Kinder betteln, haben dabei, nach klassischem Bombay-Vorbild, noch kleinere Kinder auf dem Arm. Der Anblick ist herzerweichend, aber es ist wichtig strikt zu bleiben und kein Geld zu geben, um die Eltern, für die diese Kinder arbeiten, nicht noch weiter zu ermutigen, ihre Sprößlinge lieber auf die Straße anstatt in die Schule zu schicken.
Viele Einheimische sehen beim Anblick der Touristen lediglich blitzende Dollarnoten, was zur Folge hat, dass hier in übermäßigem Maße versucht wird Dir Beschiß in großem Maße anzutun. Aber auf eine so ungeheuerlich dreiste Art und Weise wie sie mir selbst in China, Vietnam oder Indien noch nicht untergekommen ist. Die Landeswährung ist Riel. Der Umrechnungskurs liegt bei ca. 1€ = 6000 Riel, oder 1$ = 4000 Riel. Die Preise werden mit Vorliebe in Dollar angegeben, gerne aber auch mit Riel gemischt. Zur Erklärung: eine Speisekarte bietet für einen Dollar ein Nudelgericht an, darunter wird ein Rindfleischgerischt mit 5000 Riel und ein gedämpfter Reis mit 1500 Riel ausgeschrieben. Beim zahlen heißt es dann einfach "4$ please, I can give you change." Rechnen ist angesagt... immer. (Hast Du den Beschiß gemerkt?) Und bis jetzt haben sie immer versucht uns wenigstens um 500 Riel zu bescheißen. Fast ein jeder macht mit, das ist das Problem. Den meisten Touris scheint das egal zu sein, wir sehen niemanden sich beschweren... außer uns.
An der Grenze hat das schon angefangen. Wir hatten ein Ticket in Bangkok-Siem Reap gebucht und dabei mehr als 10 Reisebüros aufgesucht um das billigste zu bekommen. Hat sich gelohnt, keiner im Bus hat weniger gezahlt. Aber jetzt zum Beschiß. Kurz vor der Grenze beim Mittagessen werden dann vom selbsternannten Assistenten des Busunternehmens schon mal die Visumsanträge ausgeteilt. Wunderbar, das spart Zeit an der Grenze. Dann werden die ausgefüllten Papiere eingesammelt, mitsamt den Pässen, und es wird versichert, dass dieser Service gratis ist und man ohnehin keine Chance hätte sich selbst an den langen Warteschlangenan der Grenze anzustellen. Der Bus hätte dort nur eine Stunde Aufenthalt, wer dann noch kein Vusum hat wird zurückgelassen. Einige Reisende hatten schon in Thailand auf selbstloses Anraten einiger Reisebüros Visa beantragt, selbstverständlich zu absolut überhöhten Preisen. Die restlichen unserer Mitreisenden waren über den Service dankbar und haben gerne 35$ für das Visum gezahlt; mit Außnahme von Vieren, uns inklusive. Wir hatten uns vorher informiert und trauen sowieso niemandem mehr. Wir beharrtes selbst dann noch auf unsere Selbstständigkeit als der Assistent uns versicherte, wir würden ein sehr riskantes Vorhaben eingehen. Egal, wir wollten unsere Pässe zurück. Als alle noch beim Essen waren, oder dem Kaffee danach, kam plötzlich ein Minivan und wir vier wurden gebeten einzusteigen. Und dann begriffen wir - alles nur Panikmache. Sonderservice für die Abtrünnigen und Schutzmaßnahme davor, dass noch andere "abspringen" könnten. Wir wurden zur Grenze chauffiert, wo schon unser privater Guide stand. Der half us dann auch die ganzen Formalitäten schnell zu bewältigen. Unser Visum hat letztendlich 20$ gekostet und wir saßen sogar wieder früher im Bus als die Beschissenen. No risk, no better deal!
Jetzt noch kurz zur Wasserqualität, bevor ich einige wunderbare erste Eindrücke schildern möchte. Alle Wasserhähne und Duschen, die wir bisher aufgedreht haben (wir waren die erste Nacht in einer anderen Unterkunft, daher die Vergleichsmöglichkeit), gaben zwar eine durchsichtige, aber so stark nach Metall und Rost stinkende und schmeckende Flüssigkeit von sich, wie... mir fehlen die Worte. Schockierend.
Aber, aber! Wir fühlen uns sauwohl hier. Freundliche Menschen, lächerlich niedrige Preise für Unterkunft und Essen, fantastisches Wetter und eine Menge zu tun. Überall werde "Mr. Fish Massagen" angeboten. Für 2,5$ bekommt man eine Dose kaltes Bier und stellt seine Füße in ein Wasserbecken in dem hunderte, kleinere oder größere Fische (je nach Wunsch) einem die Haut von den Füßen knabbern. Es gibt hier außerdem soviele Bars und Restaurants, dass einem wirklich schwindelig werden kann. Meist zu sehr fairen Preisen. Egal ob italienisch, französich, khmer, thai oder deutsch - "alles mit dabei!". Überall stehen Bankautomaten, die Dollars (!) ausspucken, es gibt 24h Internetcafes und 24h Supermärkte. Hammer. Alles ist zu Fuß erreichbar oder mit dem Gratis-Fahrrad, das von unserem Hostel gestellt wird. Wir haben hier free Breakfast, free Wi-Fi, free Tuc-Tuc-Shuttle und Pick-Up, Murdochs National Geographic und endlose andere Pay-TV Sender. Es läßt sich wirklich leben hier.

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Di

29

Dez

2009

Vang Vieng und der Tubismus.

Durch den "Weltspiegel" bin ich schon vor längerer Zeit mal auf Vang Vieng und sein Tubing aufmerksam gemacht worden. Aber wer in Südostasien backpackt, kennt den "Reifenrutsch" im Nam Song, auch ohne das sonntägliche Vorabendprogramm der ARD gesehen zu haben. In Vang Vieng hat sich in den letzten Jahren eine ganz spezielle Art von Tourismus entwickelt. Ein Gros der Touristen sind Backpacker zwischen 20 und 30 Jahren alt, weiß, in bester Partylaune und häufig allein dem Tubing wegen gekommen. Denn Tubing ist mehr als sich in ausrangierte, aufgeblasene LKW-Reifen zu legen und sich damit die 3 km wieder flußabwärts treiben zu lassen, die man zuvor im Tuk-Tuk flußaufwärts getuckert ist. Tubing ist zum Synonym für eine Riesenparty in Südostasien geworden, auf die man nicht bis zum Abend warten muss.
Los geht's! Raus aus dem Fahrzeug, den Reifen unter den Arm und rein ins Wasser. Aber wie? "Einfach rückwärts reinplumpsen lassen, passiert nichts", wurde mir versichert. Ich kam mir vor wie ein Anfänger bei seiner ersten Tanzstunde, an der alle anderen schon seit Wochen teilnehmen, und die ersten Schritte aus dem ff kennen. Irgendwie hab ich's geschafft. Von Beginn des Reifenritts an, werben dann am Flußufer angebrachte Bars um ihre Kunden mit Schildern wie "FREE SHOTS", "Free Bananas" oder sogar "Free French Fries". Ob eigenes Interesse an einem Besuch der vorbeiziehenden Tropenkneipen besteht, interessiert die lassoschwingenden Anwerber nicht. Kaum in Sichtweise wird man mit einer, an einem Seil befestigten, mit Wasser gefüllten Plastikflasche, beworfen. Auf den Schädel möchte ich so ein Ding nicht kriegen. Bei Interesse hält man sich einfach daran fest und wird zum Bareingang gezogen. Die meisten Bars unterhalten ihre Gäste mit billigem Techno, meist ein amerikanischer Evergreen mit schnellen Beats unterlegt. Klar, einige Bars spielen auch wesentlich attraktivere Musik. Die eigentliche Unterhaltung der Gäste wird aber durch eine gigantische Auswahl an Rauschsubstanzen geboten. Drinks zu Spott-Preisen, Shots regelmäßig  umsonst und überall "Buckets". Das sind kleine Plastikeimer mit Laolao Whiskey, als Cocktail oder Longdrink gemischt. Übrigens ist der im eigenen Land produzierte Whiskey billiger als Cola oder andere Softdrinks, die aus Thailand importiert werden müssen. Das hat zur Folge... naja, das Mischverhältnis stimmt irgendwie...aber Party ist garantiert.
Angereichert wird dieses füllige Angebot an Alkoholika durch "Special-Menus", "Happy-Menus" und "weis der Teufel "-Speisekarten . Auf diesen, jenen Karten, werden Opium-, Mariuhana- und Magic Mushroom"-Spezialitäten angepriesen. Ob als "Bob Marley" fertig gedreht und zum anzünden bereit, oder als Shake, als Backware oder einfach im Rohzustand. Alles so wahnsinnig legal illegal. Es war echt ein Brüller, als ich mich vor der wirklich malerischen Kalksteinfelswand - mit der Sonne im Gesicht und einem Bier in der Hand - im Wasser treiben lasse und plötzlich ein wildgewordener Promotion-Heini mit einem abgefuckten, selbstbemalten "Psychadelic Mushrooms - °oOo" Schild neben mir rumfuchtelt, um mich zu überzeugen, anzuhalten. Viele Touristen finden das "Drum-Herum-Spektakel" sogar so geil, dass sie für freie Alkoholika & gratis Tuk-Tuk-Transport für einige Tage hier als Bartender oder Promotiongirl anheuern. Die Bars sind außerdem mit Rutschen, schwingenden Seilen oder solchen, an denen man entlangsliden kann, ausgestattet. Ähnlich wie auf Abenteuerspielplätzen, jedoch mit einem nass-harten Abgang ins Wasser. Das macht höllisch Spaß. Logo.
Jetzt zum eigentlichen Tubing. Sitzt man erst einmal in diesen Riesenreifen, ist es richtig gemütlich. Die ganze Fahrt zurück zum Ausgangspunkt soll 2-3 Stunden dauern. Den wenigsten, die wir getroffen haben, gelang es die gesamte Distanz zu meistern. Zu viele Bars, zu viel Party und außerdem muss der Reifen bis 18 Uhr zurück gebracht werden, um nicht die Kaution zu verlieren. Auch wir haben früher abgebrochen und sind mit anderen internationalen "Loosern" rechtzeitig zurückgetuckert. Der Reifenrückgabeshop gleicht um diese Uhrzeit einem "Winnercamp". Es wird sich gegenseitig gratuliert und man behubelt sich Spaßes halber. Die meisten sind einfach nur froh es diesmal vor 6 geschaftt zu haben!

p.s. Wir waren in unserer Woche Vang Vieng einmal beim Tuben.

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Di

08

Dez

2009

Wir sind gleicher, oder der Sieg im Rennen um die Visa

Dazu bedarf es folgender kurzer Geschichte. Wir befinden uns auf der Busfahrt von Jinghong (China) nach Luang Nam Tha (Laos). Den kleinen Bus teilen wir uns mit einigen Laoten, einem Haufen Chinesen, einem älteren holländischen, einem schwulen, belgischen und einem amerikanischen Pärchen. Soviel zur Grundaussattung. Die Fahrt ist abenteuerlich und es verwundert nicht, warum auf dieser Strecke nie ernsthaft an den Bau einer Eisenbahnlinie gedacht wurde. Alles Berge, Hügel, insgesamt ein schwer zugängliches Terrain. Nach einer halbstündigen Mittagspause und zwei weiteren, der insgesamt acht Stunden Fahrt, erreichen wir die chinesische Grenze Mohan. Alles verläuft entspannt, Angst und Drogen haben wir keine. Weiter zur laotische Grenze Boten. Raus aus dem Bus und ran an den Barackenschalter. Innen alles aus wunderschönem, ästhetisch ansprechendem unverputzten Beton. Der Boden ebenfalls aus Beton, die Inneneinrichtung zwischen spartanisch und kaum vorhanden. Ich bin der erste am Schalter, dicht gefolgt von meiner Frau. "32$", grunzt der mäßig englischsprechende Verkäufer, ähm... Grenzbeamte. Ich entschließe mich in RMB zu zahlen um endlich ein wenig von unseren vielen chinesischen Devisen loszuwerden. Kaum bezahlt realisieren wir, wieviel besser es gewesen wäre in Dollar den Kauf zu beschließen. Was ein Beschiß - umgerechnet 5 € mehr! Sofort zurück, mit einem charmanten niederbairischen Lächeln im Gesicht und einer stinkenden Wut im Bauch, um die Ungültigkeit unseres Vertrages einzuklagen. Mein Charme oder die Gleichgültigeit des Beamten führen schließlich zum Erfolg. Chihi, die zwar als Japanerin 15 Tage visumsfrei in Laos weilen dürfte, entschließt sich gleichzuziehen, um sonst kommendem Visumsverlängerungsstress zu entgehen. 32$ wieder in Dollar gelöhnt für den netten Verkäufer hinter dem Tresen in der Betonbaracke. Aber gerade startet an Schalter zwei neben uns der Kampf um ebenbürtige, befristete Aufenthaltsgenehmigungen. In forderster Front die Amerikaner, dicht gefolgt von den Holländern, dahinter die schwulen Belgier. Die Luft glüht, die Spannung steigt.
Die Amerikaner, gewohnt stark, überqueren unmittelbar hinter uns und zufrieden mit je 38$ weniger in den Taschen die Ziellinie. Doch jetzt - ein Kampf zwischen alt und jung, hetero- und homosexuell, Holland und Belgien enflammt. Auf der Zielgerade geht's an die Substanz. Die Holländer verfügen über keine US-Dollar-Resourcen im Endspurt. Wie zuvor von den Amerikaner, wird auch von ihnen verlangt 38$ zu zahlen. Sie wirken geschwächt als der Verkäufer ihnen anbietet auch 34€ zu akzeptieren. Unaktzeptabel wird von allen Seiten beigepflichtet.
Nur einer schneller Devisentausch unter den konkurrienden Parteien ist die Lösung um allen die laotische Goldmedaillie umzuhägen. Damit geht der Fairplay-Preis einstimmig an die Belgier, die zeitgleich die obligatorischen 38$ löhnen. Die Finishing-Line wird von den Nachbarn zeitgleich überschritten. Unterschiedliche westeuropäische Nationalitäten spielen im fernen Laos keine Rolle mehr. Hier sind wir alle Europäer, hier dürfen wir sein.
Wie gesagt haben Chihi, als Japanerin, und ich als Niederbayern nur 32$ gezahlt. Mit unserer Herkunft hat das nichts zu tun. Wir sind einfach gleicher!

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So

29

Nov

2009

KUNMING 4EVER!

Warum ist Kunming für mich die beste Stadt auf unserer bisherigen Reise?
Natürlich ist Kunming, wie fast alle chinesischen Städte, vom Abriss alter Gebäude und dem Errichten neuer Megabauten bedroht. Aber hier merkt man, dass aus städtebaulichen Mißerfolgen wie Shenzhen gelernt wurde. Die Architektur ist künstlerischer; es gibt wenige Planbauten wie in Beijing oder Guangzhou.
Was macht nun Kunming so besonders für Chihi und mich. Das Klima ist beinahe perfekt. Gut wir sind bei Eisregen angekommen und haben das schlimmste befürchtet. Es kann im Winter kalt werden, besonders in der Nacht. Tagsüber hatten wir die ganzen Tage dann Sonne und ca. 20°C. Insgesamt ein sehr gemäßigtes Klima.
Kunming ist das Drehkreuz Chinas für Südostasien. Ein Himmel auf Erden für Menschen, die gern auch mal verreisen. Beispielsweise gibt es Verbindungsstraßen nach Vietnam, Laos und Myanmar; an den Zugverbindungen wird heftig gearbeitet. Und... Kunming bekommt gerade den viertgrößten Flughafen des Landes.
Aufgrund der grenzennahen Lage leben hier überdurchschnittlich viele andere Asiaten und besonders viele Minoritäten. Die Stadt wirkt voller Leben und Farben. Die Preise hier sind überdurchschnittlich niedrig und das Essen ist fantastisch. Nicht zu vergessen ist auch der große westliche Einfluß auf diese Stadt. Häufig gibt es günstiges "echtes" westliches Essen, oft sogar Bioprodukte und selbsthergestellte Backwaren.
Kunming ist insgesamt auch sauberer als unsere zuvor bereisten Städte und zählt außerdem zu den sichersten Plätzen Chinas.
Vielleicht das wichtigste Kriterium warum ich mich in diese Millionenstadt verliebt habe, sind die relaxten Menschen hier. Das Tempo ist spürbar langsamer. Selbst Taxis schleichen über die Highways. Rundum ein toller Flecken Erde, mit der schönsten Fußgängerzone, die ich kenne. Die üppigen Märkte und die lebendigen Parks runden das Innenstadtleben ab. Allerorts spielen, singen und tanzen die Leute. Es scheint als habe jeder ein anderes Instrument in der Tasche und diese immer dabei. Immer bereit zum Einsatz.

Ach, jetzt hätte ich meinen Lieblingsplatz fast vergessen, den Green Lake Park. Ein Park innerhalb eines wunderschönen Sees, mitten in der Stadt. Das Wasser wird durchzweigt von unzähligen Inselchen, die mit dem Ufer durch malerische Promenaden und Brücken verbunden sind. Überall stehen Pagoden oder kleine Geschäfte. Wir hatten das Glück Zeuge von einem jährlichen Naturspektakel dort zu werden: die Rückkehr der rotgeschnäbelten Möwen. Tausende kehren dann Ende November zurück und werden freudig von den Einheimischen begrüßt, gefüttert und fotografiert.
Und natürlich ist das Umland, geprägt von Bergen und Hügeln, dem Dian See mit einer Länge von 40 km und dem Xi Shan (Western Hills), geradezu perfekt um dem Großstadtleben zu entfliehen. Die Provinz Yunnan ist groß und bietet, sowohl den Anfängen des Himalayas im Nordwesten, wie auch dem Regenwald im Süden, ein Zuhause. Kunming liegt im Zentrum. Yunnan lockt neben den angeblich schönsten Reisterrassen unseres Planeten mit einer einmaligen Flora und Fauna. Blumen, die rotieren oder ständig ihre Farbe verändern, gibt es genauso wie 250 wilde Elefanten und andere exotische Tiere. 
Was bleibt mir da noch zu sagen? Vielleicht nur noch, dass Kräuter hier frei in der Natur wachsen. Man muß nur die Plätze kennen und selbst pflücken, dann einen Tag in der Sonne trocknen und fertig.
KUNMING 4EVER!

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So

08

Nov

2009

Haussklaven.

Zwar gerade in Shenzhen angekommen und schon wieder eine Menge zu berichten, aber einer anderen Geschichte muß Vorrang gelassen werden. Meine Geschichte handelt von Haussklaven. In Hong Kong werden sie "domestic helper" oder einfach nur "helper" genannt. Besitzen tut sie eine jede Familie mit hohem mittleren oder hohem Einkommen. Diese Helfer, meist weiblich, kommen aus Indonesien oder, noch häufiger, von den Philippinen. Indonesierinnen sind billiger, weil sie nicht so gut englisch sprechen und mehr Ärger machen sollen. Angeblich. Während unserer Zeit im Penthouse im Happy Valley auf Hong Kong Island wurden wir von einer jungen Indonesierin Mitte 20 mitbetreut. Und, als ob sie's nur darauf angelegt hätte diesem Vorurteil gerecht zu werden, wurde sie tatsächlich erst einen Monat vor unserem Eintreffen wiederholt als Diebin zur Rede gestellt. Letzte Chance, Probezeit. Sie war im übrigen schon die dritte Indonesierin, die unserer Gastfamilie von der Agentur vermittelt wurde. Zu uns war sie sehr freundlich und hilfsbereit. Außerdem hat sie gut gekocht. In der Villenanlage "The Vineyard" in den New Territories im Norden Hong Kongs war eine Philippino für uns zuständig. Sie arbeitet schon seit sechszehn Jahren für die Familie und bekommt daher einige lächerliche Freiheiten mehr eingeräumt. Einer von 3 40-Inch-TVs darf während dem Putzen im Wohnzimmer beispielsweise eingeschaltet werden. Außerdem sei ihre Bezahlung, wie uns versichert wurde, deutlich über der herkömmlichen. Die liegt für die teuren, gut englisch sprechenden und weitaus seltener stehlenden Philippinos bei 350€ pro Monat normalerweise. Kost und Logis werden zusätzlich gestellt. Beide haben, wie allen Haussklaven gemein, in und mit der Familie gewohnt. In mehr oder weniger erbärmlichen Umständen. Kein oder fast kein Zimmer in unseren beiden Fällen. Die erste mußte auf einer, mit einer Decke verkleideten, Pritsche neben der 7 jährigen Tochter nächtigen. Die andere durfte sich an einem eigenen Kabüffchen ohne Fenster und Schrank, dafür mit eigener 2m-Naßzelle erfreuen. Die Zugangstür befindet sich in der Küche. Wir würden diesen Raum wohl eher als Vorratskammer bezeichnen. Nur so einfach ist das alles nicht. Es gibt tatsächlich in dieser Villa keinen anderen Raum, der ihr zur Verfügung gestellt werden könnte. Die Architektur weist dem Haussklaven bereits den Ort seiner Duldung zu. Denn wer diese Miete aufbringen kann, der bringt auch seine Angestellte mit und die muß wohnen nach Zuweisung. Der Familie bleibt kein Spielraum, denn Villa ist in Hong Kong nicht gleichbedeutund mit viel Platz, sondern mit Luxus.

Aber der Sklave hat auch arbeitsfrei. An allen Sonntagen und Feiertagen. Das führt zu einer Kuriosität in Hong Kong. Alle, und ich meine wirklich alle, treffen sich dann an bestimmten öffentlichen Plätzen zum Picknick, zum Tanzen und unterhalten. Sie belagern dann Fußgängerbrücken, Parks und auf Hong Kong Island vorzugsweise große Straßen oder U-Bahn-Vorplätze. Einige große Avenues werden dann gesperrt, sodass sich gemütlich ausgebreitet werden kann. Ein Phänomenen über das man leider in keinem Reiseführer lesen kann. Ein Spektakel ist es trotzdem und jedem Hong Kong Reisenden wärmstens zu empfehlen.
Wir haben erstmal genug von dieser Art von Knechtschaft. Ich glaub' ich kauf mir lieber einen japanischen Haushilfs-Roboter, da muß ich mir wenigstens keine Gedanken über Menschlichkeit und Unmenschlichkeit machen. Obwohl das Alles-einfach-mal-stehen-lassen schon irgendwie schön war.

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Mo

19

Okt

2009

"Soft-Sleeper Experience"

Nebelschwaden mischen sich mit Rauchwolken verbrannter Abfallhäufen. Die Straßen sind belebt. Auf vorbeiziehenden Feldern wird schon fleißig gearbeitet; die Obstmärkte sind gut besucht. Wir durchfahren den zigsten Tunnel. Es ist 7.30 Uhr am Morgen und ich sitze mt meinem Netbook auf dem Bett. Noch sind wir 3,5 Stunden von Guangzhou entfernt, 16,5 Stunden haben wir schon hinter uns. Es ist eine sehr angenehme Reise im "Soft-Sleeper" vom Naturparadies Hangzhou ins Mega-Moloch Guangzhou. Gegenteiliger könnten zwei Städte wohl kaum sein. Ich weis was wir zu erwarten haben, wenigstens so ungefähr. 2000 hatte ich bereits das Glück hier zu gastieren. Die Eindrücke von vor fast 10 Jahren könnten präsenter nicht sein. Damals, zu dritt unterwegs, hatten wir auch keine Unterkunft. Durch Kontakt mit den Triaden (chin.Mafia) fanden wir Hotel und konnten zu einem unschlagbaren Kurs unsere Dollars in RMBs eintauschen. Nie werde ich das Hotelzimmer, eingerichet mit massivem Holzscheibtisch und einem Haufen schwarzgekleideter Chinesen, vergessen. Ich hoffe, dass bleibt uns heute erspart.
Touristen gibt es kaum, in der uns als Kanton bekannten Stadt. Es ist die Stadt, die sich wie keine andere, selbst nach der "Liberation" 1949 durch Mao, dem Geschäftemachen verschrieben hat. Sie genießt einen zweifelhaften Ruf mit ihren gnadenlosen Feilschern und ihren unorthodoxen, angeblich barbarischen Händlern, im nördlchen China. Seit 1000 Jahren gehen die Menschen hier dem Handel mit anderen Ländern nach. Wir haben das Glück genau zur Zeit der größte Import-Export-Messe Chinas die Stadt zu besuchen. Zweimal im Jahr wird nämlich noch mehr Geschäft gemacht als sonst.
Aber uns lockt die Küche. Ihr großartiger Ruf von Vielfalt und Geschmacks ist bis in die entlegensten Winkel unseres Planeten vorgedrungen. Wer kennt sie nicht, die Kanton-Ente, oder eine der unzäligen anderen Köstlichkeiten wie Dim Sum. Ein chinesischen Sprichwort sagt, dass hier alles aus Luft, Meer und vom Land verzehrt wird, was nicht ein Flugzeug, ein U-Boot oder ein Tisch ist. Mahlzeit! Es sollte auch weiter nicht verwundern, dass SARS vor einigen Jahren seinen Ursprung hier fand. Es waren zum Verzehr feilgeboten e Schleichkatzen. Eine Delikatesse neben Hund & Co.
Ich bin froh, einigermaßen ausgeruht und mit intaktem Magen die Quelle des Exotisch-Kulinarischen Chinas besuchen zu dürfen. An Smog habe ich mich sowieso schon gewöhnt und nach ein paar Tagen im Grünen, zwischen Seen und Bergen ist's auch wieder Zeit für ein wenig Action. Muß ja nicht gleich wieder die Mafia sein.

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Mo

12

Okt

2009

Pudong@€$@RMB

THE BIG 2.

Eigentlich würde ich viel lieber mehr erzählen, von hier, Shanghai, und China. Denn es gibt hier die unzähligen, kleinen Geschichten, die jeden Tag geschehen, die nicht planbar sind. An späterer Stelle vielleicht. Aber oft ist die Geschichte nur einfaches, eigenes Erleben und nicht erzählbare Geschichte. Heute will ich, zwei Tage vor Abreise nach Hangzhou, einmal über erzählbares Erlebtes schreiben. Nur einen kurzen Augenblick.
Gefühlt ist Shanghai eine sehr riesige Stadt. Gemessen an der Einwohnerzahl ist sie das auch. Auch wenn sie wenig Unendlichkeit wie Tokyo-Yokahama besitzt. Und pssssssh, Shanghai ist modern. Sogar moderner als Landshut in Niederbayern. Finanzzentrum ist der Distrikt Pudong. In den 90'ern noch Farmland, heute ein Ort der Maßlosigkeit an Größe und Höhe in allem Denklichen kaum zu überbieten. Seit letztem Jahr gehört das Shanghai World Financial Center (stellt mit seinen 492 Metern wortwörtlich das benachbarte, zweithöchste Gebäude Chinas, den Jimao-Tower, unbedrängt in den Schatten) zum erlesenen Kreise. Unzählbar viele andere Schwergewichter hatten sich schon vorher breit- und hochgemacht. China versucht an diesem Flecken unerschöpflich die Welt mit ihrer Finanzkraft und ihrer rigorosen Entschlossenheit zu beeindrucken. Spätestens am künstlichen See, umrundet von gigantischen Glas- und Stahl-Burgen, muß einen unweigerlich das Gefühl der absoluten Ohnmacht, unmittelbar gefolgt von tiefstem Unbehagen gegüber diesen Dimensionen, überfallen. Was der Mensch hier macht - und davon bin ich überzeugt - ist dem Menschen nicht dienlich. Nicht dem Individuum. Nicht der Gesellschaft.
Und vielleicht deswegen zieht mich dieser Ort gleichermaßen an, wie er mich auch abstößt. Das Spiel von Macht und Ohnmacht. Und stärker als sonst woanders, das von Licht und Schatten, in zweideutigem Sinne. Relationen scheinen größtenteils aufgehoben. Der Mensch als Amöbe.
Pudong - Ein Wunder der Menschheit.
Nicht zu vergessen, der wirklich überall prangende Slogan zur Expo im nächsten Jahr: " Better City. Better Life."

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Fr

02

Okt

2009

"O'er the land of the free and the home of the brave."

Bis jetzt ist unser Projekt "Abenteuer" der erwartete Erfolg. China ist ein Platz um so ein Vorhaben zu beginnen. Jeden Tag lernen wir das Land der Mitte mit seinen Menschen und deren Gepflogenheiten ein klein wenig besser kennen und jeden Tag werden wir trotzdem wieder auf's Neue überrascht und gefordert. Oft unterhalten wir uns über unsere mitgebrachten Vorurteile, über die im Westen verbreiteten Clichees und über das immense Unwissen vieler Westeuropäer und Amerikaner gegenüber China. Klar ist es hier anders, aber vieles ist einfacher, manches einfach besser.
"O'er the land of the free and the home of the brave", so endet die Nationalhymne der Vereinigten Staaten von Amerika. Ob der Mensch in Amerika wirklich so frei ist, bezweifle ich stark. Muß ich meine Iris beim Betreten amerikanischen Bodens scannen lassen? Muß ich mein Bier in einer Tüte verstecken, wenn ich mit meiner Freundin ein Picknick im Park mache? Muß ich, auch im Winter, für jede Zigarette die Bar verlassen? Ich mag Amerika, aber dieses Freiheitsgedöns geht mir auf die Nerven. Für China würde ich diese letzte Zeile der amerikanischen Nationalhymne, sicherlich eingeschränkt, aber für den Alltag, durchaus gelten lassen. Ich will mich hier nicht politisch äußern und erst recht nicht auf die Diskussion über Menschenrechte oder Reisefreiheit in China eingehen. Ich will hier nur subjektiv beschreiben, was ich alltäglich erfahre, sehe und höre. Ein Beispiel. Gestern war der 60. Geburtstag der Volksrepublik Chinas. Ein Fest für alle. Viele Menschen, kein Stress, wenig Polizei, alles wunderbar. Einige Polizisten gab's natürlich und ich habe gesehen wie sie eine Frau mittleren Alters bei ihrem Fluchtversuch schnappten. Illegaler Verkauf von Plastikspielzeug und China-Fähnchen. Anstatt sie mit auf's Revier zu nehmen oder zumindest ihre Personalien aufzunehmen, wurden ihr lediglich die drei Fähnchen und der Plastikramsch abgenommen. Die Frau konnte ohne Verfolgung türmen. Sie ließen sie einfach türmen. Ohne Ausnahme sind all meine bisher gemachten Erfahrungen mit Polizisten und selbst Armeeangehörigen durchwegs positiv gewesen. Ich verstehe sie als "Freund und Helfer"; sie sich scheinbar auch. Ich fühle mich hier frei und hoffe, dass es dabei bleibt. Herzlichen Glückwunsch China zum 60. Geburtstag!

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Fr

25

Sep

2009

6772 Meter Brücke.

Die Jangtse-Brücke in Nanjing ist ein wirklich monumentales Bauwerk. Ohne ausländische Hilfe wurde sie, zum Stolz des chinesischen Volkes, von 1960-1968 errichtet und überspannt dabei den dritt-längsten Fluss der Erde mit 6772m. Ein gefundes Fressen für uns, sie mit einfachsten Sportstiefeln zu bezwingen.
Die Brooklyn-Bridge von Brooklyn nach Manhattan zu überqueren macht Spaß und ist uneingeschränkt jedem zu empfehlen. Anders verhält es sich da schon mit der Rabindra Setu (früher: Howrah Bridge) in Kolkata, eine der meist überquertesten Brücken der Welt. Abenteuerlustige und urbane Indiana Jones kommen hier voll auf ihre Kosten. Alle anderen sollten sich bestenfalles mit dem Taxi über diesen torkelnden und von Kühen, Rikschas, Bussen und müllkarrenziehenden Indern bevölkerten Riesen, chauffieren lassen.
Die Jangtse-Brücke in Nanjing spielt jedoch in einer anderen Liga. Sie ist überdimensional riesig mit ihren fast 7 Kilometern, sie ist wuchtig aufgrund ihres Baumaterials und sie ist gefährlich. Besonders in der Rush-Hour. Wir überquerten sie von 19.00-20.30 Uhr. Rush-Hour und Dunkelheit. Einen kleinen Einblick hoffe ich, wird mein Video vermitteln. Einfach anschauen und froh sein, dass wir "nur" Rheine, Maine und Isars in Deutschland haben... und eine Verkehrsordnung, die das Steuern motorisierter Fahrzeuge auf dem Bürgersteig verbietet. Heißt ja schließlich Bürger- und nicht motorisierter Fahrzeugsteig.
Die ersten 2 km waren - ehrlich gesagt - grauenhaft und wir überlegten ernsthaft, bei der zweiten Auffahrt unser Vorhaben abzubrechen oder zumindest auf Eis zu legen. Die Wende brachte uns der Anblick 5 scherzender chinesischer Touristen, die - offensichtlich - unsere Angst ganz und gar nicht teilten. Spärlich bewaffnet mit kleinen Wasserfläschen und sonst nichts, spazierten sie selbstentschieden und unaufhaltsam Richtung Verderben. Einfach folgen, einfach folgen. Wir brauchten ungefähr 90 Minuten, Pausen eingerechnet. Ab der Hälfte wich unsere Angst dabei einer Mischung aus Überzeugung in die fahrerischen Künste der Chinesen und einem meditationsähnlichen Zustand der konzentrativen Monotonie. Diese Brücke gibt einem die Chance, nein sie verpflichetet einen sogar, sich mit den ureigensten Ängsten auseinanderzusetzen, sie zu überwältigen und daran zu wachsen. Kein anderer hilft dir.
Es sind eben genau diese Momente, die mir zeigen, dass ich lebe und schließlich auch warum ich reise!

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Mo

21

Sep

2009

Tschüß und Ciao, Qingdao.

Jetzt liegen ebenfalls 17 Tage Qingdao hinter uns. Nach Beijing, Chinas aktueller Hauptstadt, nun auch die Bierhauptstadt des Landes. "Next Stop", die ehemalige Haupstadt, Nanjing.

Qingdao wird seinem Ruf gerecht. Es ist ein Platz zum Urlaub machen, insbesondere für die Chinesen. Wir hatten Glück nur zwei Tage an der Hauptsaison vorbeigeschrammt zu sein, was sich am deutlichsten im Preis für unsere Unterkunft und an den einsamen, wunderbaren Stränden bemerkbar machte. Urlauber gab's trotzdem noch reichlich; wir haben uns selten einsam gefühlt. Unser Hostel bot die beste Lounge in meinem bisherigen Hostelleben. Maßgefertigte Ledersessel und Bänke, kleine Separees mit Wasserpfeifen, angenehme Musik, eine Bar mit riesigem Screen zum Fernsehen, internationales Essen, W-Lan, ein gratis Tsingtao pro Abend, eine Playstation 3-Ecke und einen DVD Raum, inklusive einem gigantischen Angebot an Silberlingen... und einen Biiliardtisch... und Pcs...
Die Strände sind wunderbar, sofern man die Bereitschaft mitbringt einige Minuten in den öffentlichen Bussen oder ggf. Fähren mit den Eingeborenen zu verbringen (siehe Video). Schaut Euch die herrliche Einsamkeit beim Sonnenuntergang auf Huangdao auch im Video an. Atemberaubend.
Seafood wird hier groß geschrieben, kostet aber eben auch mehr als uigurische Nudelsuppe. Viel Nudeln gab's also auch.
Als ehemalige und einzigste asiatische Kolonie Deutschlands ist noch einiges an wilhelminischer Baukunst zu entdecken. Besonders die preußisch-asiatische Mischungen sind einzigartig. Zu mindestens für mich. Werde hier noch einen Foto-Clip liefern. Aber richtig deutsch ist hier überhaupt nichts mehr. Mal abgesehen von den vielen deutschen Englischlehrern, deutschen Chinesichlehrern (!) und den Reisenden in unserem Hostel. Das Deutschlands Pachtvertrag von 99 Jahren, ein jähes Ende schon nach deren 16 fand, ist Chihis Vorfahren zu verdanken. Arigatou gozaimasu, usagi! Hätt' ich's fast vergessen... Qingdao liebt die Wurst, oder so etwas ähnliches. Hauptsache eingeschweißt und süß. Gut, es gibt sie auch mit Knoblauch, anderen Gewürzen, mit Fisch statt Fleisch, in weiß und pink. Aber sind das die Würste die wir wollen? Dann schon lieber Tintenfisch am Spieß, der kann ruhig weiß und pink sein; soll er ja auch.
Als Fazit bleibt, ich würde gerne wieder kommen; Stempel "Prädikat empfehlenswert". Auch besonders aufgrund der herzlichen und hilfsbereiten Art der Einheimischen. Bereits unsere erste Konfrontation mir einer hier Lebenden, wird für lange in unserer Erinnerung bleiben. Da sie selbst unsere Unterkunft nicht kannte, geschweige denn den Weg, uns aber unbedingt lotsen wollte, mußte sie an jeder Ecke wiederum andere um Mitthilfe bitten. Marktverkäuferinnen, Polizisten, Passanten und Schachspieler, ein jeder gab sein bestes. Etwa 30 Minuten führte sie uns so durch die Hügel Central Qingdaos, um uns, am Hostel angekommen, lediglich anzugrinsen und in das nächste Taxi zu steigen. Wir waren offensichtlich an unserem, jedoch nicht an ihrem Ziel angekommen.  
Xiexie, Qingdao!

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Mo

14

Sep

2009

Ein Spieß, und doch viel mehr.

Fleischspieße. Fleisch-Sticks. Meat-Stickies. Als wäre ich nicht schon von so viel Süchten geplagt, reihen sich unaufgefordert nun diese knusprig gebratenen Fleischstückchen in jene unausgefochtene Reihe. Verputzt, verpeist, gegessen, genossen... ich bin ein "Sticker". Keiner will leugen, keiner will klagen.

Über ein Dutzend würd' ich lachen, selbst eine Hundertschaar ist kein Maß, aber was geschieht mir mit meiner zum Ungott schreitenden Zahl an Beefkonsumina. An deren 500, oder gar mehr, vergaß ich mich in den letzten Wochen. Abhängig.
Wär' da nicht der Preis. Das Ding muß her, und koste es was es wolle. Selbst Dr. Kahn könnte mit seinem vor dem P1 auf dem Bürgersteig parkenden Ferrari da nur beipflichten, "Das Ding ist teuer, aber seinen Preis wert."  Aber, den Preis muaßt zoin, Finanzminister. Jenen Minister wiederum kenne ich nicht persönlich, also habe ich mich an meinen internen Finanzki, Frau Babe-Son, gewendet. "Alles in Ordnung", beruhigte mich meine Frau. Ist ja auch eine Unverschämtheit für nur 40 Rindfleischstickies einen Euro zu verlangen.

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Fr

11

Sep

2009

Tütenbier.

Heute mal kein "Tsingtao", trotzdem zapffrisch.

Bier wird gewöhnlich in Flaschen oder Dosen verkauft. In Qingdao, Chinas selbsternannter Bierhauptstadt, geschieht dies jedoch äußerst selten. Bier wird hier in Plastiktüten verkauft. In Plastktüten mit einem monströsen, grünen "Tsingtao" Aufdruck, sofern es sich auch um "Tsingtao" Bier handelt. Da hat der Hersteller jenes köstlichen Getränks offensichtlich nicht geschlafen und eine außergewöhnliche Werbemöglichkeit wahrgenommen. Jeden Abend wandern in unserem Viertel die Menschen die Hügel mit diesen Tüten auf und ab.
Zum Bierkauf muss lediglich der nächste Kiosk, eines der unzägligen schmackhaften und günstigen Restaurants oder eine sogenannte "Beer Bar" aufgesucht werden. Bestellt wird, ganz nach Gusto, nach Menge oder Preis. Haste 'nen Yuan, haste auch'n Bier zum Beispiel. Das Bier läuft aus dem Zapfhahn direkt in die Tüte, die wiederum an einer Waage hängt. Simpel und praktisch. Das bringt den unschlagbaren Vorteil mitsich, immer zapffrisches Bier zu bekommen. Zudem halten die schweren Metallfässer auch auch bei großer Hitze die köstliche Flüssigkeit wohltemperiert. Der Preis variiert nur minimal und liegt durchschnittlich bei 2 Yuan pro Liter. Da bleibt mir nur noch "Ganbei" zu sagen.

Um der höchstgeistreichen Anregung eines Kommentars nachzukommen (Danke Romi!), sollte ich vielleicht noch ergänzen, dass sich der Geschmack des Bieres durchaus einer Auszeichnung bei mir verdient gemacht hat. Es schmeckt saftig rund und läuft wie Muttermilch nach einer 2-Stunden-Schrei-Attacke. Der Abgang ist spritzig-weich und es bleibt ein samtiger Geschmack auf der Zunge liegen.

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Sa

05

Sep

2009

Fish happens!

Heute geht's mal ums Essen. Ist ja auch das Wichtigste. Genauer soll es heute um frisches Essen aus dem Wasser gehen.
Seafood auf deutsch. Damit bin ich nicht nur dem Herzenswunsch meiner Freundin, sondern auch meiner Neugier auf bisher weitgehend unerforschte Gewässer nachgekommen. Für jemanden wie mich, der aus einem Land kommt, in dem sich der kulinarische Genuß von Meerestieren in Fischstäbchen und Tomatenfisch aus der Dose erschöpft, ein wahrhaft gefährlicher neuer Kontinent voller Unabsehbarkeiten.
Ja, natürlich kenne ich als beinhaar mit einer Japanerin Verheirateter und regelmäßig Reisender noch das ein oder andere Essbare der Weltmeere, trotzdem gehöre ich dem eben beschriebenen Volke an. Mit der Wurst in der Hand bin ich König und auch ein saftiges Wiener Schnitzel stoß' ich nicht von meinem Tellerrand.
Wir sind seit gestern in Qingdao, das nicht nur Bekanntheit als Bierstadt mit Strand erlangt hat, sondern eben auch für Seafood berühmt ist.
Das Restaurant stand unter chinesischer Führung, logisch, wir sind in China und nicht in Tunesien. Grundsätzlich sind die Zeichenkenntnisse meiner Freundin immer eine große Hilfe bei der Decheffrierung der Speisekarten. Demzufolge sind wir nie in Restaurants zu finden in denen sich "normale Touristen", sofern sie keine Chinesen sind, tummeln. (Ist Mac Donald's eigentlich auch ein Restaurant?)
Also, mit Bedienung im Schlepptau zu den Aquarien, die voll bis zum Rand mit allem was das Mehr so bietet.
Zackimacki, schnell bestellt. Muscheln, einen Pott voll, Nudelsuppe mit Meeresungeheuern und Auberginen mit Knoblauch, für mich als letzten Rettungsanker, falls alles schief laufen sollte.
Dazu natürlich des Chinesen liebstes Getränk, Bier. Hier selbstverständlich zapffrisches, kaltes Tsingtao.
Essen kam, erst die Auberginen... fantastisch, gefolgt von einem Berg Muscheln. Die Bedienung hat uns freundlich darauf hingewiesen sämtliche Tang- und Grasreste, welchen sich die gerade noch lebende Muscheln als Nahrung bedient hatten, nicht in die schmackhafte Ingwer-Essig-Soße vor dem Verzehr zu tauchen. Wahrscheinlich hab' ich so erschrocken geschaut, dass sie gedacht haben mußte, ich würde die Schale auch als verzehrtauglich klassifizieren. Wie dem auch sei, es hat seht gut geschmeckt. Immer ein bißchen Mifan, also Reis, dazu, dann kann man's leichter runterwürgen. Nein, es war wirklich sehr lecker und unschlagbar frisch. Wie auch die Meeresfrüchte-Nudelsuppe. Was auch immer da drin war, ich hab's gegessen. Mein Schatz hattte sich schon ab dem ersten Bissen in ein Honigkuchenpferd verwandelt.
Doch dann der Schock. Nach 20 Minuten wird uns plötzlich ein Riesenfisch auf den schon überfüllten Tisch gestellt, den wir nie bestellt hatten. Äußerst dummgelaufen, denn den wollten wir aus Kostengründen nicht. Fish happens! Blickt ja auch keiner mehr durch bei soviel angeblich Verspeisbaren. Nach Hin und Her... kurzum, wir blieben noch eine halbe Stunde und haben den ganzen Meeresbewohner aufgegessen. Wenn man überlegt, 14 Euro für 4 Gerichte plus Reis und 1,5 Liter Bier, dann war's nicht teuer, auch wenn unser lieber Freund Herr Fisch alleine 10 Euro gekostet hat. Zum Trost können wir wenigstens damit prahlen, dass wir ihn schon zu Lebzeiten kannten.

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Do

03

Sep

2009

Bye bye Beijing.

16 Tage Beijing sind vorbeigeflogen, aber vorbeigegangen ist Beijung nicht spurlos an uns. Diese Stadt ist wirklich fantastisch; lebt, lärmt und hat uns einiges gelehrt. Wir kommen mittlerweile mit dem Verkehr klar, der mir tatsächlich noch gefährlicher als der in Mumbai erscheint. Wir haben uns durch halb Beijing geschlemmt und fast jeden Tag etwas Neues ausprobiert. Geschmeckt hat's eigentlich immer... fast immer. Wir sind bestens mit den Hauptstädtlern klargekommen, wurden sogar gestern in den Hutongs (kleinen, engen Straßen im traditionellem chinesischen Stil) auf ein Eis eingeladen. Wir kennen mittlerweile die echten Preise für so ziemlich alles. Unsere Sprachkenntnisse haben wir aufgepimpt, wenngleich dieser Fortschritt sich noch in überschaubaren Grenzen hält. Mühsam ernährt sich eben das Eichhorn. Mitunter würde ich es sogar wagen zu behaupten, den Lonely Planet Teil Beijings ordentlich überarbeiten zu können. Viel mußten wir selbst herausfinden; einfach zu schwach unser Reiseführer in vielen Passagen. Das Olympiagelände mit dem Vogelnest-Stadion wurde beispielsweise mit keinem Satz erwähnt. Wohlgemerkt ist unser Guide im Sommer 2009 erschienen. Aber warte nur, irgendwann schreib' ich so'n Ding... hehe!

Sicher werde ich noch oft auf Beijing eingehen. Es ist einfach eine der ineressantesten Städte der Welt. Wenn ich da nur an die 798 Art Zone denke. Ein überdimensionales ehemaliges Fabrikgelände nordöstlich des Stadtzentrums. Hunderte von Galerien, Ausstellunsäumen, Cafes, Läden und Clubs verteilen sich überall auf dem Areal bis in die letzten Hinterhöfe und Seitenstraßen. Die Türen stehen offen und häufig steht einem der Künstler selbst bei Fragen Rede und Antwort. Ein sehr interessanten jungen Herrn dieser Zunft habe ich in seinem Austellungsraum zu deutscher und französischer Musik selbt befragt. Sein Projekt "Childhood Memories" beschäftigt sich hauptsächlich mit Spiezeug aus seiner eigenen Kindheit. Freunde haben ihm dabei geholfen Unmengen von Plastikramsch zusammenzutragen. Beispielsweise stellt er Orginalfotos gesinnungstreuer KommunistInnen oder Parteikaderfotos mit Star Wars ähnlichen chinesischen Plastikfigürchen nach, umso sie bei der richtigen Beleuchtung zu fotografieren. Als Vorlagen seiner Arrangements dienen dabei Originalaufnahmen aus dem Fundus seines Großvaters, der auf den meisten dieser selbst abgelichtet ist. Sein Großvater hatte einen der wichtigsten Ministerposten Chinas inne. Das Großvater auf diesen Bilder meist in der Nähe Maos zu finden ist, verwundert daher nicht. Was der aber über seinen aufständischen Enkel beim Anblick dieser höchst provokativen Pop-Art empfinden würde bleibt Spekulation.

Beijing ändert sich jeden Tag und um nicht unter die Räder zu kommen muß das auch seine Bevölkurung, im Eiltempo. Beijing holt auf, was unter Mao verpasst wurde, und zwar mit eisernem Siegeswillen. Selbstbewusst bis in die letzte Sojabohnensprosse.

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So

30

Aug

2009

Bin stinkig!

... weil wir so viel Fantastisches erlebt, die Beijinger wirklich größtenteils sehr zu schätzen gelernt und soviel Spaß hier gehabt haben, aber die besten aufgenommenen Videos und auch einige Fotos weg sind. Will heißen, die SD-Karte meines Camcorders ist ohne Fremdeinwirkung kaputt gegangen. Irreparabel!

Ca. 10 GB Michael Ballhaus in den Schatten stellende Aufnahmen von der Verbotetenen Stadt, der Chinesischen Mauer, dem Olympiagelände mit dem Vogelnest-Stadion und vieles mehr... alles den Bach hinunter.

Habe ich mich doch so schön inszeniert bei meinen Leibesertüchtigungen auf der Chinesischen Mauer. ( ; _ ; )

So, jetzt geht's mir besser. Mußte mir einfach den Frust vom Leibe schreiben.

Sonst läuft's prächtig hier. Am liebsten würden wir hier noch ein paar Wochen verweilen, aber China ist zu groß um hier stehenzubleiben. Ende der Woche machen wir voraussichtlich die Biege. Mal schauen ob wir nach Tianjin oder gleich nach Qingdao düsen oder vielleicht doch noch mal verlängern?

 

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Mi

26

Aug

2009

Daaas ist die Beijinger Luft, Luft, Luft...

Die Luft, äh der Smog, ist so ein Thema für sich in Beijing. Laut WHO gehört Beijing zu den luftverschmutztesten Städten underes Planeten. Jetzt pflichte ich aus eigener Erfahrung dieser Statistik bei. Die ESA hat Beijing sogar zur Nummer eins unter den Hauptstädten gekürt, wenn man hier von küren sprechen will. Beijing hat aber auch Top-Voraussetzungen. Smog, das Wort setzt sich ja aus dem englischen 'Smoke' und 'Fog' zusammen, setzt sich auch in Beijing nicht anders zusammen. Aber, hier kommt noch Staub und Sand, hauptsächlich aus der inneren Mongolei, hinzu. Das alles bei teilweise nur knapp unter 100% Luftfeuchtigkeit. Prost, Mahlzeit!
Beijing tut schon was, aber mir scheint das alles zu wenig. Nur ein Tropfen auf den heißen Asphalt. Ständig werden die Straßen mit Wasser besprüht um noch Schlimmmeres bestenfallls herauszuzögern. Zwar gibt es jetzt strengere Grenzen für die Abgasemissionen für Neuwagen, die 2003 eingeführt und 2006 nochmal verschärft wurden, aber die geschätzten 5 Billiarden Trucks und die anderen kuriosen Vehikel aus den 60ern und 70ern machen alle Anstrengungen zu nichte. Ich will hier gar nicht mit der Industrieverschmutzung anfangen, dafür kenne ich mich viel zu wenig aus. Aber wer noch nicht komplett im Kopf verschmutzt ist, kann sich deren Einfluß auf die Luftqualität sicher ausmalen. Am besten mit dem Finger in der Luft.
Ich werde sicher noch Videos reinstellen, auch wenn die vielleicht niemand sehen will oder aufgrund der Sichtverhältnisse sehen kann. Faustregel in Beijing ist: Kommt der Wind aus dem Süden oder dem Südwesten gibt's halt einfach keine Sonne, auch wenn keine einzige (sichtbare) Wolke auszumachen ist. Demzufolge kam der Wind heute Nachmittag aus irgendeiner der anderen Himmelsrichtungen. Der unschlagbare Vorteil ist dabei, dass man sich nicht des alten abgeleckten Fingers bemühen muß um die Windrichtung zu ermitteln.
Der Smog hat mir desweiteren die einheimische Unart, auch die meine, erklärt, ständig rotzend und spuckend die Straßen noch weiter zu verschmutzen. Ich habe Zahlen von Atemwegserkrankungen der Menschen hier gelesen, da wird einem selbst bei einer Stippvisite Angst und Bange.
Ach ja, es gibt tatsächlich noch einen Vorteil, zumindestens wenn man (starker) Raucher ist. Zigarettenrauch ist hier sicherlich nicht schädlich. Zumindestens nicht schädlciher als nicht zu rauchen. Rauchen hingegen bringt den Vorteil mit sich, Nikotin, sozusagen noch als Beibrot eingepackt zu bekommen. Wie geschrieben, unsere Zigaretten kosten 2,50€ die Stange. Das hier fast jeder raucht ist daher eine Selbstverständlichkeit.
Bis denn, ich geh' eine rauchen.

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Mo

24

Aug

2009

Der Preis ist heiß.

China ist nicht Laos oder Thailand, aber China ist auch nicht teuer, wenn man weis was der Eingeborene zahlt. Handeln ist fast überall angebracht, wobei die Faustregel nie mehr als die Hälfte des vorgeschlagenen Preises zu zahlen Müll ist.
Chihi, aka Miss Bargain, ist teilweise so dreist, dass es mir sogar zu peinlich wird. Aber im Team sind wir unschlagbar. Wir zahlen beispielsweise 178 Yuan für unser Zimmer, obwohl der Preis fix bei 198 Yuan liegt. Taktieren und wenn nötig drohen, so läuft der Hase hier. Ich gebe mal einen kurzen Einblick für was wir hier wieviel zahlen. Kaltes Tsingtao Bier (600ml) 2,5 Yuan. Der Umrechnungskurs liegt im Moment so bei 1€ sind 10 Yuan (1 Yuan also ca. 10 Cents). Zigaretten kaufen wir die billigsten, die scheinbar nicht mal der ärmste Chinese raucht, für 2,5 Yuan. Für ein fürstliches Dinner zu zweit zwischen 50 und 100 Yuan.
Yupp, und die U-Bahn, die nebenbei erwähnt die modernste ist, die ich kenne, kostet 2 Yuan. Ich werde bei Zeiten sicher mal ein Video bereitstellen. Logisch, richtig viel Geld kann man hier natürlich auch latzen. Heute auf dem Foodcourt des Oriental Plazas (größtes Shoppingmall Beijings) zum Beispiel lag der Preis für ein T-Bone Steak bei 200-250 Yuan. Armani Flagstores reihen sich dort an Prada und Gucci Läden und werden nur von unzähligen Starbucks Filialen unterbrochen. Im ansässigen Supermarkt gab's dann neben unzähligen deutschen Flaschenbieren 8 5l-Fässer deutscher Brauereien. Weltenburger Klosterbier für 398 Yuan! Wer kauft so etwas? Da greif' ich lieber zu Tsingtao. Solange Du isst und trinkst was die Einheimischen konsumieren bist auf der sicheren, billigen Seite.

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Sa

22

Aug

2009

27.000 Yuan in 100 Yuan Noten.

Unglaublich... aber war.
Die Visumsverlängerung für Chihi wird zum Spießrutenlauf. Verlässliche Informationen via Internet, Hostel oder Polizei... absolute Fehlanzeige. Ich spar' mir an dieser Stelle die unangenehmen Details und Probleme, denen wir in der weltgrößten Bürokratie begegneten und immer noch ausgesetzt sind. Parallelen zu Herrn K. in Kafkas Prozess sind unübersehbar. Wir drehen uns trotz bester Vorbereitung im Kreis. Ein Entkommen ist mühsam, aber machbar. Unsere neueste Erkenntnis: Chihi braucht ein chinesischen Bankkonto mit 3000 Dollar Guthaben. Also habe ich gerade 27.000 Yuan in 3.000 Yuan Etappen aus einer ATM der ABC (Agricultal Bank aus China) gezogen. Wer schon mal in China war wird wissen, dass die größte Banknote 100 Yuan Wert hat.Chihi hat diesen Mount Everest an Scheinen irgendwie innerhalb ihrer Hose verstaut. Ihr Gang glich dann mehr einer geprügelten Ente, denn einer gesunden Japanerin.
Vielleicht noch zum besseren Verständnis unserer Visumslage. Ich habe in Frankfurt auf dem chinesischen Generalkonsulat ohne Probleme und ohne genaue Angaben zu Einkommen oder Aufenthaltsort in China ein 3 Monate-Hongkong-wieder-3 Monate-Visum ausgestellt bekommen. Chihi, als Japanerin, braucht für die ersten 15 Tage überhaupt kein Visum! ... jetzt aber ein chinesisches Konto um nur einen Monat verlängern zu können. Danach darf sie, vorausgesetzt ihr Konto besteht noch, sogar noch einaml verlängern. Gott sei Dank gibt's Hongkong. Da lässt sich für Geld dann noch mehr Aufenthalt kaufen. Also wer Visumsfragen zu China hat... ich bin mittlerweile Experte für sämtliche, benötigten Stempel, für die Not- oder Nicht-Notwendigkeit der Konsultation verschiedenster Polizeidienststellen und weis der Teufel noch für was.
Was Dich nicht umbringt macht Dich nur härter. Hang Loooose!

 

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Fr

21

Aug

2009

B. isst wahnsinnig.

Trotz schlechter Verbindung und mehrmaligem Scheitern beim Posten versuch ich's auf's Neue.
Beijing isst. Beijing ist abends um 3.00 Uhr essen oder um 4.00 frühstücken. Selbstredend gehören wir der ersten Fraktion an. Aber wir frühstücken auch... kalten, feingeschnittenen eingelegten Ochsenmagen zum Beispiel.
Das schmeckt und wenn nicht, dann war's wenigstens 'ne neue Erfahrung.
Die Food-Competition kann starten und einige Hämmer werden noch kommen, das wage ich jetzt schon zu verkünden.
Fasten your Seat-belts!
Sobald ich eine richtige Verbindung habe kommen auch Fotos und Videos. Geschossen haben wir wie die Jäger und dabei auch den ein oder anderen Chinesen erlegt.

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So

16

Aug

2009

Eeeeeeendlich... fast.

Iats isses fast so weit. Noch anderthalb Tage und wir werden pinguingleich den Kaukasus gen Morgenland mit Air Chinas Kranich überqueren.

Nach Monaten voller Stress mit Vorbereitungen, Wohnungsauflösung und Organisation bin ich spitz wie Nachbars Lumpi auf das Land der Ein-Kind-Politik. Heiß wie ofenfrische Brezen vom Bachmeier und zappelnd wie Phillip.

"It's highest railway", wie ein guter Freund von mir sagen würde.

 

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Mi

01

Jul

2009

Es läuft, und läuft und läuft...

So viel zu tun. Aber was macht mehr Spaß als solch ein Reise zu planen.

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Fr

05

Jun

2009

... und immer noch viele Vorbereitungen

Ja die Chihi und ich. Noch fast zwei Monate bis zum Auszug und vielleicht noch mal zwei Wochen bis zum Abflug.

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